Hier werden einige Urkunden und allgemeine Begriffe erklärt.

Kirchenbücher

Kirchenbücher (auch Kirchenmatrikel, in Österreich Kirchen- oder Pfarr-Matriken, in der Schweiz der Rodel, die Rödel) sind Verzeichnisse über Taufen, Trauungen, Todesfälle, die von Pfarrern meist in chronologischer Reihenfolge angelegt werden. Sie stellen öffentliche Urkunden über die in ihnen verzeichneten Handlungen dar.

Zu unterscheiden sind:

  • Taufbuch oder Taufregister. Hier sind die Daten der Geburt und/oder der Taufe der jeweiligen Person, sowie seiner Eltern und Paten aufgezeichnet.
  • Heiratsbuch. Hier sind die Daten der Eheschließung der beiden Ehepartner, sowie (nicht immer) der Eltern und Trauzeugen aufgezeichnet.
  • Kommunikantenregister (historisch)
  • Sterbebuch. Hier sind Todes- und/oder Begräbnisdaten aufgezeichnet.
  • Konfirmationsregister oder Konfirmandenbuch. Hier sind die konfirmierten Jugendlichen der Gemeinde sowie deren Eltern verzeichnet.

Oft sind zusätzliche Daten wie Wohnort oder Beruf der jeweiligen Person angegeben. Der Umfang der Eintragungen ist verschieden und hängt von den Gewohnheiten des zuständigen Pfarrers und dessen Kenntnisse über die Personen ab. Weil die Kirchenbücher in erster Linie kirchliche Handlungen belegen, werden in historischer Zeit oft nur Ort und/oder Datum der Taufe bzw. der Beerdigung (in anderen Fällen nur das Todesdatum) genannt, nicht aber Geburt und Tod (bzw. Beerdigungstag).

Die Kirchenbücher stellen oft die einzigen Aufzeichnungen über die Existenz von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Sie sind damit wichtige Quellen der historischen Forschung, insbesondere der genealogischen Forschung. Das Lesen der Kirchenbücher setzt entsprechende Kenntnisse der Schreibschrift früherer Zeit voraus. Römisch-katholische Kirchenbücher sind bis ca. 1800 nahezu ausschließlich in lateinischer Sprache geführt, ab etwa dieser Zeit dann in der Landessprache, so wie zuvor schon die protestantischen Matrikeln. Erst aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Kirchenbücher in erheblichem Umfang verloren gingen, liegt eine großflächige Überlieferung der Kirchenbücher vor, wenn auch weitere Kriege erhebliche Verluste verursachten, so die Napoleonischen Kriege 1797–1809 und nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg.

Die ältesten Kirchenbücher – sie liegen nur als Fragment vor – stammen aus dem 14. Jahrhundert und entstanden in der Provence und in Italien. Das älteste erhaltene Kirchenbuch aus dem deutschsprachigen Raum ist ein Taufbuch, stammt aus Basel, wurde 1490 begonnen und befindet sich heute im Britischen Museum in London.

Heute dienen Kirchenbücher nur noch innerkirchlichen Aufzeichnungen. In Deutschland dienen für die Zeit vor 1876 und bei Verlust der Personenstandsregister die Kirchenbücher immer noch als Nachweis.

Kirchenbücher gibt es natürlich auch in der evangelischen Kirchen, doch diese kommt in meinem Stammbaum kaum vor, daher habe ich immer nur die kath. Kirchenbücher vermerkt.

 

Zivilstandsregister 1798-1874

Am 20. September 1792 erließ die französische Nationalversammlung ein Gesetz, das die rechtskräftige Beurkundung des Zivilstandes der französischen Bürger regelte.

Am 17. Juni 1796 wurden im Département Ourthe und dem Département Meuse-Inférieure die französischen Zivilstandsgesetze bekannt gemacht, ebenso am 1. Mai 1798 in den vier neu errichteten Départements des linken Rheinufers – Département de Rhin-et-Moselle, Département de la Roer, Département de la Sarre, sowie Département du Mont-Tonnerre.
Zuständig für die Führung war der Bürgermeister des jeweiligen Ortes. In Westfalen dagegen wurden die Register in französischer Zeit nach Konfessionen getrennt von den ortsansässigen Pfarrern und Rabbinern der jeweiligen Gemeinden geführt.

Mit dem Ende von Napoleons Herrschaft und nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress, wurden die Zivilstandsregister teilweise wieder abgeschafft. Fortgeführt wurden sie vor allem in der Rheinprovinz, in Lübeck und in Bremen.

1874 wurden die Zivilstandsregister in Preußen und 1876 im übrigen Deutschen Reich durch die dann eingeführten Personenstandsregister abgelöst. Mit der Führung der Personenstandsregister sind seitdem Standesbeamte betraut. Inhaltlich gleichen diese Register den Zivilstandsregistern ziemlich genau.

 

Personenstandsregister / Personenstandsbücher ab 1874

Personenstandsbücher sind beim Standesamt geführte Register des Personenstandes, in denen die Geburten, Heiraten und Sterbefälle einer Gemeinde bzw. einer Stadt registriert werden, namentlich das Heiratsbuch, das Familienbuch, das Geburtenbuch und das Sterbebuch. In Deutschland bestehen sie auf Grund des Personenstandsgesetzes seit dem 1. Januar 1876. Sie wurden ab dem 1. Januar 2009 von elektronischen Personenstandsregistern abgelöst. Die vollständige Umstellung erfolgte bis zum 31. Dezember 2013.

Im Deutschen Reich entstanden unter dem Einfluss des Code civil erstmals reichseinheitliche Regelungen mit dem Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstands und die Eheschließung vom 6. Februar 1875. Darin wurde ab dem 1. Januar 1876 das bisherige kirchliche Monopol mit Führung von Tauf-, Trau- und Totenbüchern aufgehoben und die staatliche Beurkundung von Geburt, Heirat und Tod verpflichtend. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es der Staat den Geistlichen überlassen, die Regelung und Dokumentation des Personenstandes seiner Bevölkerung durch die Führung der Kirchenbücher zu erledigen.

Als Folge der Reform des Personenstandsgesetzes übernahm das jeweilige Stadtarchiv 2009 die Geburts-, Heirats- und Sterberegister von den Standesämtern. Die Überlieferung beginnt meistens 1798 und endet bei den Geburten 110 Jahre zurückgerechnet vom laufenden Jahr. Für die Heiraten sowie Sterbefälle gilt: von heute an 80 Jahre bzw. 30 Jahre zurückgerechnet. Diese Fristen wahren auf der einen Seite die Personenschutzrechte, machen aber andererseits auch eine breite personengeschichtliche Forschung möglich.

 

Ariernachweis 1933-1945

Der Ariernachweis war im nationalsozialistischen Deutschland von 1933 bis 1945 für bestimmte Personengruppen (insbesondere Mitglieder der SS, Beamte, öffentlicher Dienst, Ärzte, Juristen, Wissenschaftler deutscher Hochschulen) ein von Staats- und Regierungsbehörden geforderter Nachweis (beglaubigte Ahnentafel) einer „rein arischen Abstammung“ aus der „arischen Volksgemeinschaft“.

Mit dem Ariernachweis begann die Ausgrenzung von „Nichtariern“, vor allem Juden, „Zigeunern“, die über die Aberkennung ihrer Bürgerrechte und Ausgrenzung bis zur Vertreibung, Ghettoisierung, Deportation und staatlich organisierten Massenermordung in Konzentrationslagern (Holocaust und Porajmos) (1941–1945) führte. Dagegen galt „ein Engländer oder Schwede, ein Franzose oder Tscheche, ein Pole oder Italiener … als verwandt, also als arisch“.

Ariernachweise verlangten auch Berufsverbände, die Reichskulturkammer für alle künstlerisch Tätigen, ferner viele Unternehmen und ein Teil der Kirchen als Zugangsvoraussetzung für eine Anstellung sowie die NSDAP für die Aufnahme als Parteimitglied.

„Kleiner Ariernachweis“: Der Nachweis der „arischen“ Abstammung erfolgte durch die Vorlage von sieben Geburts- oder Taufurkunden (des Probanden, der Eltern und der vier Großeltern) sowie drei Heiratsurkunden (der Eltern und Großeltern). Diese mussten von Pastoren, Standesbeamten oder Archivaren offiziell beglaubigt worden sein. Ersatzweise konnten ein beglaubigter Ahnenpass oder eine beglaubigte Ahnentafel vorgelegt werden.

 

Französischer Revolutionskalender

Der Französische Revolutionskalender, auch republikanischer Kalender, wurde infolge der Französischen Revolution von 1789 geschaffen und galt offiziell ab dem 22. September 1792 bis zum 31. Dezember 1805.
In Beschreibungen der Revolution werden einzelne Daten zur Bezeichnung bestimmter Ereignisse nach dem Revolutionskalender eingesetzt, so etwa der 9. Thermidor (das Ende der jakobinischen Schreckensherrschaft) oder der 18. Brumaire (die Machtergreifung Napoleons).
Hintergrund: Die Revolution hatte in Frankreich die Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt, daher sollte der neue Kalender keinen christlichen Bezug (z.B. Christi Geburt, christliche Feiertage) mehr enthalten. Der Kalender führte eine Zehntagewoche ein. Dadurch gab es nur noch alle zehn Tage einen freien Tag (und zusätzlich einige Feiertage am Jahresende im September), was den Kalender nicht beliebt machte. Die Leute wollten sich nicht jeden dritten freien (Sonn-)Tag nehmen lassen.

 

Julianischer Kalender

Der julianische Kalender ist einer der ältesten Solar-Kalender. Er wurde von Julius Caesar eingeführt und war in manchen Teilen der Welt noch weit bis ins 20. Jahrhundert gültig, im kirchlichen Bereich teilweise noch bis heute. Er wird heute in der Wissenschaft rückwirkend auch für die Jahre vor dem Wirken Caesars verwendet. Er wurde seit dem 16. Jahrhundert schrittweise durch den ihn verbessernden gregorianischen Kalender abgelöst.
Seit 1900 (und noch bis 2099) besteht zwischen beiden Kalendern eine Differenz von 13 Tagen, um die der julianische dem gregorianischen Kalender nachläuft. Wenn zum Beispiel laut dem gregorianischen Kalender der 7. Januar ist, dann hat man laut dem julianischen erst den 25. Dezember (daher liegt auf dem 7. Januar gregorianischen Stils das Weihnachtsfest vieler orthodoxer Kirchen: des Patriarchats Jerusalem, Armeniens, Russlands, Serbiens, Mazedoniens, Georgiens und der altorientalischen Kirchen der Syrer, Kopten, Eritreer, Äthiopier).

 

Schwarzmeerdeutsche

Schwarzmeerdeutsche werden die Bewohner ehemals deutscher Siedlungen am Nordufer des Schwarzen Meeres auf dem Gebiet der heutigen Ukraine genannt. Westlich des Dnister lebten Bessarabiendeutsche und im Süden Krimdeutsche mit denen sie zu den Ukrainedeutschen gehören. Seit 1765 wanderten viele Deutsche aus West- und Südwestdeutschland, seit 1789 auch westpreußische Mennoniten in die nördliche Schwarzmeerregion ein. In Neurussland wurden viele Siedlungen im Süden des damaligen Zarenreichs nahe der Hafenstadt Odessa gegründet. Wegen ihrer gemeinsamen Geschichte werden Schwarzmeerdeutsche zu den Russlanddeutschen gezählt.

Auswanderung
Das südrussische Gebiet hatte Katharina II. durch zwei Kriege mit dem Osmanischen Reich (1768–1774) und der Annexion des Krimkhanats (1783) für das Russische Reich hinzugewonnen. Durch den Frieden von Jassy fiel auch das dünn besiedelte Gebiet zwischen Bug und Dnister an Russland. In diese Region wanderten auch zahlreiche aus dem Osmanischen Reich ausgewanderte Bulgaren, Griechen und Rumänen ein.
Die ersten deutschen Auswanderer aus dem Südwesten (Württemberg, Baden, Elsass, Lothringen, Pfalz) trafen 1803 ein, gerufen von Alexander I. (Russland). Sie kamen ab Ulm auf Ulmer Schachteln auf der Donau bis Galatz. Es waren neun Transporte mit etwa 1.100 Personen, darunter die Hälfte Kinder. Ab Galatz ging es auf dem Landweg weiter nach Dubossary. Die Reisezeit betrug rund 80 Tage. Nach einer Quarantänezeit ging es weiter nach Odessa, wo sie das Neurussische Fürsorgekontor betreute.

Ansiedlung
Der 17. Oktober 1803 gilt als Gründungstag der schwarzmeerdeutschen Kolonien bei Odessa. Zar Alexander I. kaufte an diesem Tag Land für die Kolonisten an. Im Frühjahr 1804 entstanden Großliebental und Kleinliebental als erste Ansiedlungen. Später folgten in der Nähe Neuburg, Peterstal und Josefstal. 1805 entstanden Alexanderhilf, Frankfeld, Mariental und Lustdorf. 1806 kam Freudental hinzu.
1808 erfolgte eine zweite Einreisewelle aus Baden und dem Elsass, die zur Gründung der Kolonistenbezirke Glückstal und Kutschurgan führte. Im selben Jahr entstanden Neudorf, Bergdorf und Glückstal. Die russische Regierung hatte bereits die Einwandererquote auf 200 Familien im Jahr gesenkt, um alle Neuansiedler sachgerecht versorgen zu können. Für weitere Kolonisten besorgte der russische Generalgouverneur Herzog von Richelieu Land am Kutschurganer Liman. Dort entstanden 1808 die Kolonien Kandel, Selz und Straßburg.
Da 1808 etwa 500 weitere Auswandererfamilien unterwegs waren, besorgte die russische Verwaltung Siedlungsland am Fluss Beresan. Dort entstanden 1809 die Siedlungen Landau, Speyer, Rohrbach. 1810 wurden Worms, Sulz, Karlsruhe, Rastadt und München gegründet.
Das Siedlungsgebiet der deutschen Auswanderer war nicht so kompakt angelegt wie das Wolgagebiet, sondern das Kerngebiet einer ganzen Kette von Kolonien. Die russische Verwaltung stellte den deutschen Auswanderern zwischen 1804 und 1809 rund 72.000 Desjatinen Land zur Verfügung.

20. Jahrhundert
Während des Ersten Weltkrieges unterlagen die Schwarzmeerdeutschen einer starken Diskriminierung, weil man sie der Zusammenarbeit mit dem Feind in Form der Deutschen verdächtigte. Gleichzeitig versahen etwa 250.000 deutschstämmige Kolonisten Dienst in der russischen Armee. Sie kämpften jedoch nicht an der deutsch-österreichischen, sondern an der türkischen Front. Nach der Oktoberrevolution waren die politischen Verhältnisse im Schwarzmeergebiet aufgrund des Bürgerkrieges über Jahre instabil. 1918 hielten sich kurzfristig deutsche Truppen in der Ukraine auf, von denen sich die Schwarzmeerdeutschen dauerhaften Schutz erhofften.
Nach dem Abzug des deutschen Heeres stellten die Kolonisten eine Selbstschutztruppe auf, die 1919 die Rote Armee aus deutschen Siedlungsgebieten mit Waffengewalt vertrieb. 1920 kehrte die Rote Armee zurück und fügte dem deutschen Selbstschutzverband mit 500 Mann schwere Verluste zu, so dass sich die Truppe nach Polen zurückzog. Danach wurde die Sowjetmacht installiert. Ab dann verloren die Deutschen weitgehend ihr kulturelles Leben. Auch das kirchliche Leben war unterbunden und Kirchenbauten wurden als Lagergebäude zweckentfremdet. Trotzdem blieben ihre geschlossenen Siedlungen weitgehend erhalten. Die Bolschewiki übten vor allem Druck auf die wohlhabenden Bauern (Kulaken) aus. Im Rahmen der Sowjetisierung kam es zur Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und Verstaatlichung von Betrieben, die in einigen Dörfern der Schwarzmeerdeutschen zu Unruhen führten. Mehrere zehntausend Deutsche verlangten während der Säuberungen um 1929 die Ausreise, während Deutschland nur rund 6.000 Personen vorübergehend aufnahm.

2. Weltkrieg

Der Kriegsbeginn im Juni 1941 war an sich schon eine Bedrohung. Die Deportation aller für die sowjetischen Behörden erreichbaren Deutschen im Sommer und Herbst 1941 – ein vernichtender Schlag, von dem sich die Volksgruppe
nicht mehr erholen sollte.
Das Gebiet zwischen Dnjestr und Bug wurde in den ersten Kriegsmonaten von der Wehrmacht und rumänischen Truppen besetzt. Am 28. August 1941 übernahm Rumänien dieses Gebiet unter der Bezeichnung “Transnistrien”. Für die Deutschen, die ca. 6 % der Bevölkerung stellten, war das SS-Sonderkommando “R” zuständig. Der Stab befand sind in der Kolonie Landau. Die Erfassung aller Deutschen und ihrer Familienangehörigen in der “Deutschen Volksliste Ukraine” mit anschließender „Betreuung“ durch die SS dauerte nicht lange. Die ältere Generation erinnert sich daran wie auch an den Krieg nur ungern. Beides hat traumatische Erinnerungen an den Verlust der Heimat und die Flucht vor der heranrückenden Front hinterlassen. In der Nacht vom 17. auf den 18. März 1944 setzten sich rund 125.000 Schwarzmeerdeutsche nach Westen in Bewegung. In zwei Trecks eingeteilt, legten sie in zehn bis zwölf Wochen bis zu 2.000 km zu Fuß bis in den Warthegau zurück. Doch auch dort holte sie die Front im Frühjahr 1945 ein. Die Folge war die so genannte “Repatriierung” – doch keiner der “Repatriierten” konnte in sein Heimatdorf zurück. Sie wurden in Sondersiedlungen im hohen Norden, in Sibirien, Kasachstan und Mittelasien gebracht.